LS Plakat A3 Mettmann

Thomas Gabriel schreibt über sein Schöpfungsoratorium: Im Jahr 2012 kamen die Veranstalter mit der Idee zu mir, im Rahmen der „Merseburger Orgeltage“, einem Festival für klassische Musik, auch ein Jugendprojekt zu realisieren, um damit auch junge Menschen in kirchliche und kulturelle Kontexte einzubeziehen. Ich hatte sofort die Idee, das Thema „Schöpfung“ zu behandeln. Mit diesen Gedanken im Kopf ging ich zu meinem langjährigen Weggefährten Eugen Eckert, evangelischer Theologe. Innerhalb weniger Wochen lieferte er dann einen Text, dessen Genialität in der Einführung der Rolle einer „Prophetin“ liegt. Es wird die biblische Geschichte erzählt, genau wie in Genesis in den sieben Tagen strukturiert, doch die Prophetin (die in der uralten Schöpfungsgeschichte sozusagen die Zukunft, also: unsere Gegenwart, sieht) hält immer wieder den Spiegel vor, so dass der Plan Gottes und der tatsächliche Zustand seiner Erde immer wieder schonungslos gegenübergestellt werden. Ich habe bei den Aufführungen des Werkes immer erlebt, dass der Gedankengang des Textes, die Gegenüberstellung von Gottes Vision und unserem Umgang mit seiner Schöpfung von den Jugendlichen, ob in Ost oder West, ob religiös gebildet oder nicht, sehr sensibel und betroffen aufgenommen wird. Thomas Gabriel greift mit seinem Schöpfungsoratorium die Frage nach der Zukunft der Schöpfung und der natürlichen Lebensgrundlagen auf, die zunehmend durch menschliches Handeln bedroht sind. Diese Perspektive korreliert mit den Fragen "Woher kommen wir?" – "Wer sind wir?" – "Wohin gehen wir?", mit denen das Neanderthalmuseum seine Ausstellung betitelt. Je auf eigene Weise wollen sich – einander ergänzend – Musik, Impulse und Ausstellung diesen Grundfragen der Menschheit stellen.